Seit Videokonferenzen zum Arbeitsalltag gehören, läuft ein erheblicher Teil der
internen und externen Kommunikation über die Server großer US-Anbieter. Bei Microsoft Teams, Zoom
oder Google Meet verlassen nicht nur Bild und Ton das Unternehmen, sondern auch Metadaten: wer mit
wem wann wie lange spricht. Für viele Gespräche – Personalthemen, Vertragsverhandlungen,
Produktentwicklung – ist das ein unterschätztes Risiko. Mit Jitsi Meet gibt es eine
ausgereifte, quelloffene Alternative, die Sie selbst betreiben.
Was Jitsi Meet kann
Jitsi Meet ist eine Open-Source-Plattform für Videokonferenzen, die direkt im Browser läuft – ohne
Installation, ohne Konto, ohne App-Zwang. Ein Meeting ist nichts weiter als ein Link, den Sie
teilen. Die Kernfunktionen entsprechen dem, was Teams oder Zoom bieten:
- Video- und Audiokonferenzen für kleine Runden bis zu großen Gruppen
- Bildschirmfreigabe und gemeinsame Dokumentenbearbeitung
- Chat, Handzeichen, Umfragen und virtuelle Hintergründe
- Aufzeichnung und Live-Streaming bei Bedarf
- Passwortschutz, Warteraum (Lobby) und Moderationsrechte
Für die Teilnehmenden ist die Hürde denkbar niedrig: Link anklicken, Namen eingeben, loslegen.
Gerade externe Gäste, Kunden oder Bewerber müssen sich nichts einrichten.
Der entscheidende Unterschied: Datenhoheit
Betreiben Sie Jitsi auf Ihrer eigenen Infrastruktur, bleiben die Konferenzen vollständig unter
Ihrer Kontrolle. Es gibt keinen Drittanbieter, der Metadaten sammelt, keine Nutzungsprofile und
keine Abhängigkeit von einem Konzern, der morgen Preise, Funktionen oder
Datenschutzbestimmungen ändert. In Zwei-Personen-Gesprächen verbindet Jitsi die Teilnehmer zudem
direkt (peer-to-peer), sodass die Daten teils gar nicht erst über den Server laufen.
Für vertrauliche Runden lässt sich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aktivieren – dann kann
selbst der eigene Server die Inhalte nicht mitlesen. Damit erfüllt Jitsi Anforderungen, die in
regulierten Branchen oder bei sensiblen Themen schlicht notwendig sind.
DSGVO ohne Kopfschmerzen
Der große Vorteil aus rechtlicher Sicht: Wenn die Konferenzdaten Ihr Haus nicht verlassen,
entfällt der gesamte Komplex rund um Auftragsverarbeitungsverträge, Drittlandtransfer in die USA
und unklare Datenflüsse. Sie müssen nicht darauf vertrauen, dass ein Anbieter seine Zusagen
einhält – Sie kontrollieren die Verarbeitung selbst. Das vereinfacht das Verzeichnis von
Verarbeitungstätigkeiten und die Auskunft gegenüber Mitarbeitenden und Datenschutzbehörden
erheblich.
Was der Betrieb voraussetzt
Ehrlich gesagt ist Video die anspruchsvollste Echtzeitanwendung überhaupt. Ein paar Punkte sollten
Sie einplanen:
- Bandbreite und CPU: Mehrere parallele Konferenzen mit vielen Teilnehmern brauchen eine solide
Anbindung und ausreichend Rechenleistung. Für typische KMU-Lasten genügt ein gut dimensionierter
Server. - Ein sauberer Reverse-Proxy mit gültigem Zertifikat ist Pflicht – Browser geben Kamera und
Mikrofon nur über HTTPS frei. - TURN-Server: Damit Verbindungen auch durch restriktive Firewalls hindurch funktionieren,
gehört ein TURN-Dienst zur Installation dazu. Er ist Teil des Standard-Setups.
Für sehr große Veranstaltungen oder viele gleichzeitige Räume skaliert Jitsi über zusätzliche
Medien-Server. Die meisten Unternehmen kommen damit aber lange nicht in Berührung.
Realistisch bleiben
Jitsi ersetzt die Videokonferenz – nicht die gesamte Kollaborationssuite. Tiefe Integration in
Kalender, Telefonie und Dokumentenwelt, wie sie Teams im Microsoft-Kosmos bietet, müssen Sie
gegebenenfalls über ergänzende Open-Source-Bausteine wie Nextcloud abbilden. Wer hingegen vor
allem verlässliche, vertrauliche Meetings braucht, bekommt mit Jitsi genau das – ohne Abo und
ohne Konto.
Fazit
Jitsi Meet zeigt, dass datenschutzfreundliche Videokonferenzen kein Verzicht sein müssen. Die
Plattform ist ausgereift, für Gäste so einfach wie ein Link und gibt Ihnen die volle Kontrolle
über sensible Gespräche zurück. Wer regelmäßig Vertrauliches bespricht, sollte zumindest für diese
Runden eine eigene Lösung in Betracht ziehen.